Es ist jedes Mal die gleiche Malaise: Ich bekomme zu wenig Schlaf. Gestern Abend – nach einem verdammt langen Samstag – gehe ich um 23 Uhr ins Bett – endlich schlafen, endlich mal erholen….. Bis 3 Uhr, dann bin ich wieder wieder wach. Das geht schon die zweite Nacht so. Also: Skype einschalten, mit zu hause telefonieren, bei neun Stunden Zeitunterschied zu Deutschland kein Problem.
Der erste Dreh-Tag unserer Reportage-Reise im Silicon Valley zieht an mir vorüber. Vormittags holen wir bei einer Verleihfirma Stativ und Lichtkoffer ab, am Nachmittag geht es ins südlich von San Francisco gelegene Redwood City. Wir besuchen den Mit-Begründer von LinkedIn Konstantin Guericke. Er hat uns in sein Haus eingeladen. Wir sitzen im Garten, es gibt Zitronenlimonade mit Zitronen vom eigenen Baum. Konstantin nimmt sich Zeit, erzählt, erklärt, spricht über die Gepflogenheiten bei der Gründung von Start-Ups. Die Atmosphäre ist sehr entspannt, man merkt, dass Guericke trotz seines großen Erfolgs mit LinkedIn am Boden geblieben ist.
3 Uhr 30: Ich surfe im Netz, suche nach den Support-Seiten für unser geliehenes TV-Stativ. Es ist noch etwas zickig und will nicht in die Richtung schwenken, in die ich wohl will.
4 Uhr: Das amerikanische Fernsehen gleicht in den frühen Morgenstunden vielen deutschen Fernsehsendern: Dauerwerbesendungen. Nur der Weather Channel verspricht Abwechslung aber nicht unbedingt Hoffnung auf sonniges kalifornisches Wetter. Nur 20 Grad soll es heute geben. Wieder Anruf zuhause, es ist 13 Uhr in der Heimat: Meine Frau erzählt, dass es vergangenen Nacht geschneit habe und kalt sei.
In meinem Skype-Fenster poppt eine Nachricht auf: Kollege Gutjahr, zwei Stockwerke tiefer, ist ebenfalls wach, telefoniert mit zuhause.
Dann wieder einschlafen. Schließlich werde ich um 7 Uhr müde. Endlich. Ich döse vor mich hin und freue mich gleich wegdämmern zu können. Zehn Minuten später wummert Lärm herüber, meine Fensterscheiben im 34. Stockwerk beginnen leicht zu vibrieren. Draußen ist es noch dunkel, Scheinwerfer-Licht dringt von einem Platz unweit der Market Street herüber. Tausende machen sich dort fit für einen Stadtlauf. Und das um kurz nach sieben am Sonntag (!) Die amerikanische Nationalhymne ertönt, dann ein Countdown – weithin hörbar.
Okay. Dann eben nicht schlafen. Ist ohnehin schon gleich acht. Bin ich nicht mit dem Kollegen Gutjahr und unserem Reportage-Protagonisten Michael Reuter zum Joggen verabredet…..?

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