Kollege Richard Gutjahr hat in seinem Blogeintrag einfach alles gesagt, was man zu unserer TV-Reportage über das Silicon Valley noch sagen kann. (Nur die positiven Passagen über mich – die sind gnadenlos übertrieben
)
Eine Petitesse brennt mir aber noch unter den Nägeln, über die ich auch drei Wochen nach unserem Interview mit der Suchmaschinen-Chefin von Google, Marissa Mayer, ab und an nachdenken muss.
Eines vorweg: Mein Bild von Google war immer ein weithin positives. Mir ist kein Unternehmen bekannt, das das Web so beeinflusst und vorangebracht hat, wie Google. In meinen Audio-Beiträgen für den Bayerischen Rundfunk, den Deutschlandfunk und andere, habe ich mich dutzende Male mit Google beschäftigt. Nicht unkritisch, eben in der gebotenen Sachlichkeit.
Was mich allerdings total überrascht hat, wie komplett unsouverän man bei der Firma Google mit einem im Grunde leidlich kritischen Interviews umgeht und wie “pissed” man sich zeigt gegenüber einem aus amerikanischer Sicht weit entfernten ARD-Sender.
Hintergrund war, wie bei Richard bereits geschildert, unser knapp sechsminütiges TV-Interview mit Marissa Mayer, das wir am Rande des Web 2.0 Summit kurzfristig mit der Suchmaschinen-Chefin aufzeichnen konnten. Kurz vorher haben wir die für uns wichtigsten Fragen diskutiert. Zum einen war das der Deal zwischen Microsoft/Bing und Twitter sowie zwischen Google und Twitter, der an diesem Tag von den beiden großen Unternehmen mit wenigen Stunden Abstand auf dem Summit verkündet worden war. Zum anderen wollten wir Marissa Mayer fragen, wie man bei Google mit der zunehmenden Kritik von Verlegerseite umgeht. Unsere Fragen waren, wie man an dem Interview unten sehen kann, nicht besonders “ausgefeilt” oder gar tiefschürfend, das war auch in der Kürze der Zeit nicht möglich.
Umso überraschter waren wir dann als der oberste Presse-Chef von Google, der während des Interviews die ganze Zeit zu meiner Linken gesessen und alle meine Fragen offenbar mitgeschrieben hatte, uns zwei Stunden später in der Lobby des Westin Hotels ansprach. Dass er ziemlich sauer und wütend über uns war, wurde uns nach dem ersten Satz klar: “We are the f…… most innovative company in the world” erklärte er uns laut. “Wieso sprecht ihr nicht über die vielen Innovationen, die Google herausbringt”? Wir hätten es ohnehin doch nur auf einen Konflikt angelegt. Und im Übrigen: Das Interview mit Marissa Mayer sei nicht förderlich für unseren Wunsch gewesen, auf dem Gelände von Google zu drehen.
Rumms. Das saß. Hallo? Wir sind es doch nur, zwei kleine Reporter vom Bayerischen Rundfunk.
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Marcus, Richard … das ist so in den USA. Die meisten Unternehmen kennen nur die anbetende Berichterstattung und harmlosen Fragen amerikanischer Journalisten.
Hinterfragen, Unklarheiten herausarbeiten usw sind die nicht gewohnt. Ging uns genaus also einer unserer Tech reporter einen der Top-Leute bei Microsoft interviewte. Relativ “harmloses” Interview, aber wie mir der Pressenheini von Microsoft UK erzaehlte, die US PR-Leute waren in totaler Panik. Google – und noch viel schlimmer Apple – sind da nicht besser.
Lieber Tim,
lustig, das hat uns unser gemeinsamer Bekannter Robert Scoble, den wir einen Tag später besucht haben, auch erklärt….. Naja, such is life…. Warte jetzt nur noch bis meine kleine Website aus dem Google-Index fliegt…
Das war wohl ihr ‘erstes Mal’ … solches und gesteigertes Verhalten ist weit verbreitet.
Heute geht es ja sehr zivilisierter zu als zu meiner aktiven Zeit und außerdem sind die Texte und Bilder schon außer Landes, wenn es zur Begegnung der Dritten Art kommt. Da konnte man schon Mal am Flugzeug abgefangen werden um Fotos und Bänder herauszurücken, vom Sicherheitsdienst aufgefordert werden, die Filme herauszurücken, man würde sie entwickeln um sicherzustellen, dass keine Betiebsgeheimnisse nach außen dringen, sie einen unauffällig auffälligen Besuch erhalten der ihnen klar macht, dass das Publizieren des Interviews den Interviewpartner in ernsthafte Schwierigkeiten bringen würde oder sie eine “Einladung” zu einer Party erhalten, damit ihr Zimmer und das Material gründlich durchsucht werden kann.
Ein Wort: Algorithm.
Ich glaube, solche Fehlgriffe sind im Zweifel dem Wunsch, irgendwo drehen zu dürfen, noch weniger zuträglich.
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