Vorbild BBC – “The Virtual Revolution”Gestern lief im britischen Fernsehen auf BBC2 und BBC HD eine neue Dokumentarreihe über die Entstehung und Bedeutung des Internets. Der Titel der ersten Folge lautete “The Great Levelling?”. Darin ging es hauptsächlich um die Entstehung des Netzes, die kulturellen Einflüsse sowie die Auswirkungen des Webs auf unsere heutige Gesellschaft und unser Wirtschaftsleben. Bislang traten US-Vizepräsident Al Gore, HTML-Erfinder Tim Berners-Lee, Apple-Mitbegründer Steve Wozniak, Bill Gates sowie einige andere auf. Insgesamt gibt es vier einstündige Sendungen, die jeweils samstags von 21 Uhr 30 bis 22 Uhr 30 gesendet werden.
Präsentiert werden die vier Folgen von Aleks Krotoski, einer jungen Journalistin, die für die sehr internetfreundliche britische Tageszeitung “The Guardian” schreibt. Sie betreut dort unter anderem den wöchentlichen Technologie-Podcast. Im vergangenen Jahr hat sie im Fach Psychologie promoviert. Thema: Wie sich Informationen über die sozialen Netzwerke des Internets verbreiten.
Moderatorin Aleks Krotoski
Mir gefällt diese neue Doku unglaublich gut. Sie ist allein filmisch hervorragend gemacht -alles ist in HD gedreht, keine Einstellung scheint dem Zufall überlassen, die Bildgestaltung ist für mein Empfinden stimmig und gelungen. Selbst Interview-Szenen, die von der Schulter gefilmt sind und spontan wirken, wurden brillant umgesetzt. Zusammenhänge über die Entstehung des Netztes, seine heutige Bedeutung, werden nachvollziehbar erklärt. Ich bin immer wieder fasziniert, wie es die BBC-Leute schaffen, geschickt einen Zusammenhang herzustellen und beim Zuschauer für ein Aha-Erlebnis sorgen.
Bei solch einer Serie versteht es sich für BBC-Verhältnisse natürlich von selbst, dass das Produktionsteam bloggt und twittert. Außerdem werden alle Quellen, also Websites, Blogs, Foren, Blog-Kommentare aufgelistet und – wo es möglich ist – verlinkt. So sorgt die BBC für weitere kostenlose PR, in dem die verlinkten Blogs vermutlich ihrerseits wieder auf die Sendung verweisen dürften.
Drehmaterial zum Download und Weiterverwendung
Was für mich aber der eigentliche springende Punkt an dieser Doku-Reihe ist: Ein Großteil des Materials der Reihe darf man als Privatperson herunterladen und nutzen. Dabei sind die Downloads nicht etwa auf das Interview-Rohmaterial beschränkt. Im Gegenteil: Viele Aufnahmen – ein Kollege würde dazu “Beauty Shots” sagen – Tricksequenzen und eben die Interviews – all dies darf man sich bei der BBC herunterladen, neu zusammenschneiden und auf seine Website stellen. Einzige Bedingungen: Das Material darf nicht kommerziell genutzt werden. Außerdem: Die BBC muss als Quelle genannt werden.
Ich persönlich halte diesen Schritt der BBC, Material öffentlich zugänglich zu machen oder zumindest Teile davon für vorbildhaft. Ich glaube, dass dadurch gerade bei einem jüngeren Publikum die Akzeptanz des Licence Fee (Rundfunkgebühr) gesteigert werden kann. Wenn man schon mit Material auf Facebook und YouTube präsent ist, ist es im Grunde nur noch ein kleiner Schritt, Film- Bild- und Ton-Material für Mash-Ups freizugeben.
Sicherlich dürfte diese Entscheidung manchem Juristen innerhalb der BBC nicht leicht gefallen sein. Andererseits bietet sich das Freigeben von Material, gerade bei solch einem Thema, geradezu an. Einen ganz ähnlichen Weg geht übrigens schon seit längerem NPR (National Public Radio) in den USA, das sich allerdings nicht durch Gebühren sondern Spenden finanziert. Bei NPR erlaubt man zum Teil auch die Weiterverwendung von Audio-Clips und Texten und hat eigens dafür mehrere APIs entwickelt.
Eventuell in der nächsten Woche auch via iPlayer international zu sehen
Schade nur, dass man “The Virtual Revolution” nicht auch in Deutschland sehen kann. Ich habe parallel zur Ausstrahlung versucht, die Sendung im Web via BBC iPlayer zu empfangen, was wegen des Geo-Blockings leider nicht funktionierte. Das könnte sich im Laufe der nächsten Woche ändern.














