A German view on English football

27. Juni 2010

Am Donnerstag haben mich die Kollegen der BBC gefragt, ob ich für sie einen kleinen Gastbeitrag zum Fußball-Klassiker Deutschland-England, der uns heute erwartet, verfassen könnte. Voilà. Die englische Original-Version gibt es auf der Website der BBC.

Ich darf keine deutsche Fahne am Auto anbringen. Das hat mir meine Frau verboten. Dabei dürfen alle deutschen Männer mit der Fahne Autofahren.

Mein Frau glaubt, das ist nationalistisch. Meine Frau versteht nichts von Fußball. Während der Spiele spielt sie lieber mit dem neuen iPad. Denn während der WM habe ich ja keine Zeit für sie. Übrigens: Ich bin kein Nationalist. Und ich verstehe gar nicht, warum die britische Boulevard-Zeitung Sun titelt: „Get ready for Germ Warfare“.

Ich liebe Fußball ausschließlich während der WM, ansonsten ist mir das Gekicke in der Bundesliga eigentlich egal.  Wie so vielen meiner Landsleute. Trotzdem laufen jetzt alle mit Fähnchen rum oder lächerlichen Perücken in Schwarz-Rot-Gold. Und dass wir jetzt gegen England spielen müssen, macht niemanden wirklich glücklich. Da nagt und bohrt immer noch dieser schreckliche Moment von damals. Sie wissen schon. Russischer Schiedsrichter. Ball hinter der Linie? Jeder Deutsche hat diese Bilder schon tausend Mal gesehen. Außerdem haben wir nichts gegen Engländer. Im Gegenteil. Lady Diana war auch unsere Königin der Herzen. Die Trinkfreude unserer Hooligans ist auf englischem Niveau. Nur Fußball spielen wollen wir nicht gegen sie. Wegen damals. Apropos: Ist der Schiedsrichter eigentlich Russe? Dann brauch ich einen ganzen Wald von Fahnen.

Ernsthaft:  Wenn ich mich mit meinen englischen Freunden über Fußball unterhalte, fällt kein einziges Mal das Wort „Blitzkrieg“ oder „Fritz“.  Ich verstehe gar nicht, weshalb seit Jahrzehnten die britische Presse, insbesondere die “Tabloids” die immer wieder gleichen, abgedroschenen Bilder bemüht. Fällt den englischen Kollegen nicht mal was besseres ein? Merken sie nicht, dass sie vermutlich Schlagzeilen erfinden, die am Publikum vorbei gehen?

Der Zweite Weltkrieg ist lange Vergangenheit. Ich bin 1971 geboren. Die erste Fremdsprache, die ich in der Schule gelernt habe, war englisch. Natürlich war ich während meiner Schulzeit auch in England und habe ungemein humorvolle, liebenswerte Menschen kennengelernt, die uns oft sehr ähnlich sind (mal abgesehen von dem wässrigen Bier, das sie dort trinken.) Mein Verdacht: Manchem Journalisten auf der Insel ist die Kreativität abhanden gekommen.

Nur eine Begegnung ist für uns Deutsche wie ein rotes Tuch: Deutschland – Holland. Da werden viele schlechte Erinnerung wach: Zum Beispiel jene Szene als Frank Rijkaard bei der WM 1990 in Italien Rudi Völler bespuckte. Keine deutsche Mannschaft spielt gerne gegen die Holländer.

Ich glaube, die Menschen in England freuen sich genauso wie wir auf ein spannendes Fußballspiel. Ja, einen Klassiker. Mit ganz vielen Emotionen. 90 Minuten Hochspannung. Ein faires Spiel, bei dem am Ende nur eine Mannschaft als Sieger vom Platz gehen kann.

Und dieses Mal wird es sehr spannend: Deutschland hat eines  der jüngsten Teams seiner Fußball-Geschichte. Die Engländer haben Stars wie Wayne Rooney, der aber leider keine Tore mehr schiesst. (Hoffentlich). Und ich vergaß: Wir haben ja unsere 11-Meter-Spezialisten…

Übrigens noch eine Meinung von neutraler Seite: Der Koch unserer Kantine ist Schweitzer. Er meinte: “Am Sonntag gewinnen die Deutschen.”
“Weshalb?”, frage ich ihn.
“Ihr habt so eine junge Mannschaft, die wird mit jedem Spiel besser. Und so stark sind die Engländer auch nicht.”

Ich bin anderer Meinung als unser Koch. Ich hoffe, dass wir gegen England verlieren. Wer will schon im Viertelfinale gegen Argentinien spielen?

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Adrian Hedar Juni 27, 2010 um 11:13

I really liked your piece on “A German View on English Football” I don’t watch football very often but I like the world cup, for 2 minutes the world changes. Tomorrow I will dress in my colours of England and head to a British Bar in Stockholm, with one of my best friends who hopefully will have the colours of his team, Germany. We will hopefully joke and jest but all the time remembering it’s a game. I enjoyed your article because sometimes I hate the way the English Media portrays my home nation. May beer, laughs and good times be seen tomorrow before, during and after the match.

Adrian

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