Wenn ich eine Applikation auf meinem Windows 7 PC nicht mehr missen möchte, dann ist es KeePass. Eigentlich ein ganz harmloses Stück Software – dafür aber ungemein praktisch. Ich benötige das Program jeden Tag.
Das kostenlose Tool speichert all meine Passworte ab. Und diese werden in einer verschlüsselten Datei auf dem PC abgelegt. An die Datei komme ich nur ran, wenn ich das sogenannte Master-Password eingebe.
Hauptbildschirm
KeePass ist vor allem dann praktisch, wenn man viele verschiedene und sichere Logins im Internet benötigt. Angefangen von Facebook, über Twitter bis hin zum Bank-Konto, für das meist eine PinNummer benötigt wird. Ich speichere in meiner KeePass Datei außerdem noch meine Kreditkarten-Nummern.
Über die Kopierfunktion der Tastatur (Strg + c) klicke ich nur auf die Login-Daten – zum Beispiel, um in den geschützten Teil einer Website zu kommen – und für 20 Sekunden landet das Passwort im Zwischenspeicher meines Computers. Genug Zeit, um es mit der Tastenkombination Strg +v an die richtige Stelle im Formular einzufügen.
Habe ich eigentlich erwähnt, dass KeePass kostenlos ist?
Von der Software gibt es nicht nur eine App-Version für iPhone und iPad, sondern auch eine Linux-Version sowie eine spezielle Android-App.
Wer etwas mehr Risiko eingehen möchte, und sich beispielsweise beim Dienst „DropBox“ sicher fühlt, kann die verschlüsselte KeePass-Datei auch automatisch mit DropBox synchronisieren. Das hat den Vorteil, dass man unterwegs stets auf die aktuellen Passworte beziehungsweise auf die neu hinzugekommenen Passworte zurückgreifen kann. Außerdem wird die Passwort-Datei auf verschiedenen Rechnern wie Notebook, Tablet-PC, Smartphone stets aktuell gehalten. Einen 100%tigen Schutz gibt es nicht, DropBox ist in jedem Fall eine gute Möglichkeit, solch eine automatisierte Sychronisation vorzunehmen.
Passworte generieren
KeePass generiert auf Wunsch auch Passworte
Das Programm kann aber noch mehr als Passworte speichern – es erzeugt sie auch: Mit dem secure hash algorithm 256 (engl. für sicherer Hash-Algorithmus), kurz SHA . Laut Wikipedia werden für die Erzeugung des Hash-Wertes bei SHA-256 die Quelldaten in 512-Bit-Blöcke bzw. 16 32-Bit-Wörter aufgeteilt und iterativ mit 64 Konstanten und sechs logischen Funktionen verrechnet. Dabei wird mit einem Start-Hash aus acht 32-Bit-Wörtern begonnen. Dazu werden die ersten 32 Bits des Nachkommateils der Quadratwurzeln der ersten acht Primzahlen (2 bis 19) verwendet.
Gut, gell?
Die Software wurde übrigens von dem klugen Schwaben Dominik Reichl als Open Source geschrieben, der am Fuß der Schwäbischen Alb in Metzingen lebt. Es lohnt sich auf den Fall, das gute Werkzeug einmal auszuprobieren. Wenn man Dominik übrigens etwas Gutes tun möchte, beispielsweise, weil er die Software andauernd fortentwickelt, kann man ihm hier eine Spende zukommen lassen.
Am Donnerstag haben mich die Kollegen der BBC gefragt, ob ich für sie einen kleinen Gastbeitrag zum Fußball-Klassiker Deutschland-England, der uns heute erwartet, verfassen könnte. Voilà. Die englische Original-Version gibt es auf der Website der BBC.
Ich darf keine deutsche Fahne am Auto anbringen. Das hat mir meine Frau verboten. Dabei dürfen alle deutschen Männer mit der Fahne Autofahren.
Mein Frau glaubt, das ist nationalistisch. Meine Frau versteht nichts von Fußball. Während der Spiele spielt sie lieber mit dem neuen iPad. Denn während der WM habe ich ja keine Zeit für sie. Übrigens: Ich bin kein Nationalist. Und ich verstehe gar nicht, warum die britische Boulevard-Zeitung Sun titelt: „Get ready for Germ Warfare“.
Ich liebe Fußball ausschließlich während der WM, ansonsten ist mir das Gekicke in der Bundesliga eigentlich egal. Wie so vielen meiner Landsleute. Trotzdem laufen jetzt alle mit Fähnchen rum oder lächerlichen Perücken in Schwarz-Rot-Gold. Und dass wir jetzt gegen England spielen müssen, macht niemanden wirklich glücklich. Da nagt und bohrt immer noch dieser schreckliche Moment von damals. Sie wissen schon. Russischer Schiedsrichter. Ball hinter der Linie? Jeder Deutsche hat diese Bilder schon tausend Mal gesehen. Außerdem haben wir nichts gegen Engländer. Im Gegenteil. Lady Diana war auch unsere Königin der Herzen. Die Trinkfreude unserer Hooligans ist auf englischem Niveau. Nur Fußball spielen wollen wir nicht gegen sie. Wegen damals. Apropos: Ist der Schiedsrichter eigentlich Russe? Dann brauch ich einen ganzen Wald von Fahnen.
Ernsthaft: Wenn ich mich mit meinen englischen Freunden über Fußball unterhalte, fällt kein einziges Mal das Wort „Blitzkrieg“ oder „Fritz“. Ich verstehe gar nicht, weshalb seit Jahrzehnten die britische Presse, insbesondere die “Tabloids” die immer wieder gleichen, abgedroschenen Bilder bemüht. Fällt den englischen Kollegen nicht mal was besseres ein? Merken sie nicht, dass sie vermutlich Schlagzeilen erfinden, die am Publikum vorbei gehen?
Der Zweite Weltkrieg ist lange Vergangenheit. Ich bin 1971 geboren. Die erste Fremdsprache, die ich in der Schule gelernt habe, war englisch. Natürlich war ich während meiner Schulzeit auch in England und habe ungemein humorvolle, liebenswerte Menschen kennengelernt, die uns oft sehr ähnlich sind (mal abgesehen von dem wässrigen Bier, das sie dort trinken.) Mein Verdacht: Manchem Journalisten auf der Insel ist die Kreativität abhanden gekommen.
Nur eine Begegnung ist für uns Deutsche wie ein rotes Tuch: Deutschland – Holland. Da werden viele schlechte Erinnerung wach: Zum Beispiel jene Szene als Frank Rijkaard bei der WM 1990 in Italien Rudi Völler bespuckte. Keine deutsche Mannschaft spielt gerne gegen die Holländer.
Ich glaube, die Menschen in England freuen sich genauso wie wir auf ein spannendes Fußballspiel. Ja, einen Klassiker. Mit ganz vielen Emotionen. 90 Minuten Hochspannung. Ein faires Spiel, bei dem am Ende nur eine Mannschaft als Sieger vom Platz gehen kann.
Und dieses Mal wird es sehr spannend: Deutschland hat eines der jüngsten Teams seiner Fußball-Geschichte. Die Engländer haben Stars wie Wayne Rooney, der aber leider keine Tore mehr schiesst. (Hoffentlich). Und ich vergaß: Wir haben ja unsere 11-Meter-Spezialisten…
Übrigens noch eine Meinung von neutraler Seite: Der Koch unserer Kantine ist Schweitzer. Er meinte: “Am Sonntag gewinnen die Deutschen.”
“Weshalb?”, frage ich ihn.
“Ihr habt so eine junge Mannschaft, die wird mit jedem Spiel besser. Und so stark sind die Engländer auch nicht.”
Ich bin anderer Meinung als unser Koch. Ich hoffe, dass wir gegen England verlieren. Wer will schon im Viertelfinale gegen Argentinien spielen?
Avid und Adobe haben neue Versionen ihrer Videoschnittsoftware veröffentlicht: Beide Systeme (Media Composer 5 und Premiere CS5) können jetzt auch Videofiles der so genannten DSLR Kameras direkt verarbeiten. Das nervige Transcodieren, so die Ankündigung, entfalle. Vor allem Avid hat mit der fünften Version seines Media Composers, den es für Mac- und Windows-Plattformen gibt, einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Das System ist durch die neue Smart Tool Leiste um einiges intuitiver und leichter bedienbar geworden.
In den vergangen Tagen bin ich immer wieder geschwankt: Soll ich doch zur neuen Version von Adobe Premiere umsteigen? Vor allem die gute Performance der nativen MP4-Files in der Premiere Timeline haben mich positiv überrascht. Auch die Workflows, gerade beim Ausspielen verschiedener Formate fürs Web, überzeugen. Am Ende – und nach einigen Tagen des Testens – habe ich mich doch entschieden dem Media Composer – hier der 5. Version – treu zu bleiben. Ein Grund war: Die Zusammenarbeit mit After Effects oder Adobe Audition wird mit Premiere nicht besser oder gar schneller, nur weil sie zur selben Familie gehören. Ein anderer – allerdings nur oberflächlicher Eindruck – Premiere CS5 ist mir zu “unaufgeräumt” und schlußendlich zu wenig durchdacht.
Der Markt der professionellen Videoschnittsysteme ist aufgeteilt: Auf der einen Seite der Media Composer von Avid, auf der anderen Seite Final Cut Pro von Apple. Danach kommt eine Weile nichts. Dann erst folgen Premiere von Adobe, Edius von Canopus und Vegas Pro von Sony.
Avid Media Composer
Avid konnte sich bislang darauf ausruhen, dass es der quasi Standard der Fernsehsender weltweit war. Eine ganze Generation von Cuttern wuchs damit auf. Lange Zeit hat sich das amerikanische Unternehmen auf diesen Lorbeeren ausgeruht, was sich wohl auch in einer gewissen Arroganz gegenüber seinen Usern niederschlug. Bei Avid schien man fast nur Augen und Ohren für die großen TV-Produktionen zu haben, die neben der Software vor allem auch zusätzliche Hardware einkauften. Die Wünsche der User ordnete man offenbar der Funktionalität in großen Unternehmens-Netzwerken unter. Die Folge: Der Nachwuchs fehlt.
Erst als Apple mit seiner Schnittlösung Final Cut Pro populärer wurde und immer häufiger Avid ersetzte, wachte man scheinbar auf. Dennoch: Solch ein Wandel dauert. Avid kommt meiner Meinung nach in seinem Marketing, der Ansprache seiner User noch extrem “schnarch-zapfig” rüber. Man braucht sich nur das Avid eigene User Forum ansehen – von Jugendlichkeit oder Dynamik keine Spur. Die immer gleichen Moderatoren mit extrem langweiligen Tutorials. Das ist alles ziemlich traurig.
Vor allem in Deutschland hinkt man der guten alten Zeit anscheinend hinterher: Obwohl die neue Version schon seit über zehn Tagen draussen ist (es gibt nur eine Sprachversion und das ist englisch), wird auf der deutschen Avid-Website immer noch Version 4 beworben. Ahhhhhhh!
Einstieg ist schwierig
Avid ist eine eigene Welt: Die Bedienung der Schnittsoftware kostet anfangs Zeit und Geduld. Gerade wenn man das Look-and-Feel von Windows gewohnt ist, sind “Copy” und “Paste” und das scrollen mit dem Mausrad vertraute Werkzeuge. Diese sucht man in der Schnittsoftware anfangs vergebens.
Auf Avid muss man sich einlassen: Als Avid-Anfänger mal schnell ein Video schneiden, wird mit Frustration bestraft. Wer mit dem MC zurecht kommen möchte, muss sich auf die anfangs wenig logisch und umständlich erscheinenden Werkzeuge und Funktionen einlassen. Das dauert etliche Stunden. Hat man das System aber begriffen, überzeugt es durch Stabilität, flottes Bearbeiten und eine Tiefe in den Möglichkeiten, die vermutlich kaum eine andere Videoschnitt-Software bietet.
Timeline Media Composer
Alles-Fresser MC5
Der MC hat sich seit den letzten beiden Vorgängerversionen 3.5 und 4.0 zu einem “Alles-Fresser” gemausert. Es gibt kaum ein professionelles Videoformat, das der Avid nativ nicht verspeist: Vom AVC Intra Codec von Panasonic über Material von der RED bis hin zum hochkomprimierten MP4 File aus einer DSLR Kamera wie der Canon 5d Mark II.
Nativ bedeutet: das jeweilige Format muss nicht erst in den Avid eigenen Codec – für HD heißt er DNxHD – umgewandelt werden. Native Bearbeitung hört sich im ersten Moment zwar toll an, hat aber auch ihre Tücken. Einige der sonst üblichen Funktionen wie das Erzeugen von Quick Time Reference Files, steht nicht zur Verfügung. Auch lassen sich keine AAF oder OMF Files zu ProTools schicken. Das klappt erst dann, wenn man die Videofiles ins Avid eigene Format transcodiert hat.
Native Bearbeitung versus Transcodieren
Die Performance beim Abspielen von nativen mp4-Files lässt außerdem zu wünschen übrig. Wenn man nicht gerade eine Workstation mit 16 GB Ram und schnellen XEON Prozessoren hat, kommt bei der Bearbeitung keine wirkliche Freude auf. Bei einem Dutzedn Videoclips in der Timeline ruckelt das Bild zu sehr, gerade beim Vor- und zurückspulen macht sich das negativ bemerkbar. Für mich heißt das: Auch künftig empfiehlt es sich, Aufnahmen zu transcodieren. Nachteil dieses Schritts: Die Videofiles werden aufgebläht, verbrauchen dadurch deutlich mehr Festplattenplatz und das eigentliche Umwandeln dauert seine Zeit. Dadurch entpuppt sich das AMA-Feature, mit dem man native Files ohne Umwandlung in den Avid holen kann, als ein “nettes” aber entbehrliches Tool. Es ist gut, um mal schnell ein paar Aufnahmen in der Timeline zu sichten: Wirklich ruckelfreies Arbeiten mit DSLR-Files sieht aber anders aus.
Smart Tool
Ein wirklich kluger Schritt von Avid ist das neue Smart-Tool, das sich unauffällig linkt neben die Timeline schmiegt.
Vorteil: Das Klicken und Aktivieren einzelner Funktionen in der Werkzeuge-Palette entfallen. Befindet man sich mit dem Mauszeiger über der Hälfte eines Clips ist automatisch das rote Überschreiben bzw. Überschreiben-Trim-Werkzeug aktiv, ist man mit der Maus in der unteren Hälfte des jeweiligen Clips ist das gelbe Splice-In bzw. Ripple-Trim-Werkzeug aktiv. An die neue Funktion gewöhnt man sich sehr schnell. Sie machen das Bearbeiten um einiges leichter und intuitiver. Vor allem, wer bislang mit Final Cut Pro gearbeitet hat, dürfte sich nun schneller mit Avid zurechtfinden.
Smart
Was mich jedes Mal im Vergleich mit anderen Schnittprogrammen überrascht, ist die gute Qualität der automatischen Farbkorrektur. Wenn mal keine Zeit da ist, Kontrast- und Farbwerte händisch anzupassen, dann sind die automatischen Funktionen überragend gut. Kein Vergleich zu CS5 oder anderen Programmen.
Fazit
Die fünfte Version des Media Composers überzeugt. Die Software hat sich dank der Smart Tools einen Schritt auf die Konkurrenz zubewegt. Damit will man User von Final Cut und anderen Programmen wieder zurückgewinnen. Wie üblich für Avid: Der Composer 5 läuft absolut stabil. Nach einer (unüblich langen) Zeit der Einarbeitung dürfte man sich auch als Einsteiger zurecht finden.
Besonders attraktiv ist die Version für Studenten/Akademiker (Avid hat offenbar gelernt und will den Nachwuchs wieder stärker an sich binden): Dort fehlen zwar Pakete wie Sorenson Squeeze oder die Effekte Sammlung von Borisfx – aber für Euro 279.- darf man sich darüber nun wirklich nicht beklagen. Außerdem kann man nach dem Kauf für die nächsten vier Jahre kostenlos auf nachfolgende Versionen updaten. Zum Vergleich: der normale Preis beträgt mehr als Euro 2.100.-
Max und seine beiden Freunde sitzen in unserer Küche und schauen gegen die beige Wand. Hinter ihnen haben wir unsere Kamera aufgebaut. Sie wird gleich die Hinterköpfe der drei Aktionskünstler aufnehmen. Die drei wollen nicht erkannt werden.
Zuvor haben wir uns mit ihnen in einer benachbarten Kneipe getroffen. Eine der Bedingungen lautet: keine echten Namen, sie wollen anonym bleiben. Die drei sind zwischen 25 und 30, gerade frisch von der Kunstakademie. Sie können es sich nicht leisten, von Apple oder deren Anzeigen-Agentur verklagt zu werden.
Max
„Wir haben nichts gegen Steve Jobs“, sagt Max. „Wir bewundern ihn, ja, wir finden seine Produkte toll. Allerdings: Wir wollen uns nicht von ihm diktieren lassen, was wir sehen oder denken dürfen.“
Einen Tag vor Beginn der Entwicklerkonferenz von Apple, der WWDC, haben die drei rund um das Konferenzzentrum Moscone West für Aufmerksamkeit gesorgt – zumindest haben sie es auf die Startseite von Techcrunch geschafft, und das will etwas heißen. Das war der Tag vor der so genannten Keynote von Apple-Boss Jobs. In jener Nacht vor der Keynote, es muss der frühe Montagmorgen sein, ziehen Max, Marcos und Ian ihre schwarzen Kapuzenjacken an, schnappen sich eine Videokamera und packen vorsichtig die Plakate ein, die sie nur wenige Stunden zuvor produziert haben. „Freedom for porn – Dudes who like porn“ – nennen sie ihre Aktion.
Gefakte Apple-Werbung
Die Plakate sehen der aktuellen iPad Werbekampagne verblüffend ähnlich. Nur einige, sagen wir mal „Nuancen“, stimmen nicht mit der Original-Kampagne überein. Da ist zum Beispiel ein iPad, das die fiktive Facebook Seite des Apple-Chefs zeigt.
Die Idee zu der Aktion hatten wir am Vortag sagt Max, wir haben uns durch eine ähnliche Aktion eines Künstlers in Berlin inspirieren lassen. Dann haben wir uns an unsere Rechner gesetzt und angefangen, die Plakate kreativ zu verbessern.
Sunset San Francisco
Szenenwechsel: 1. Tag der WWDC. Wir sind nervös. Das liegt zum einen am Schlafmangel der vergangenen Tage, zum anderen wissen wir nicht so recht, was uns da erwartet. Welche Bilder können wir einfangen? Dutzende TV-Teams aus aller Welt sind akkreditiert. Wir können wir uns mit unseren Aufnahmen unterscheiden? Wird unser Standplatz okay sein oder sind wir ganz hinten?
Zum Glück ist bei der Firma Apple alles durchorganisiert. Dem Zufall wird hier nichts überlassen. Kalifornien und die Events der Tech-Branche haben wir vielfach anders erlebt. Nicht unprofessioneller, aber irgendwie „wärmer“, lockerer, halt typisch amerikanisch.
Apple ist dagegen straff durchorganisiert. Die Keynote ist vorbei. Ich packe gerade Stativ und Kamera zusammen, da spricht mich einer unserer deutschen Betreuer an und bittet mich, den Saal zu verlassen. Ich solle nach nebenan gehen. Dort wird das neue, soeben von Jobs gepriesene iPhone 4 speziell für die Presseleute ausgestellt.
Kollege Gutjahr kommt auf mich zu und flüstert mir ins Ohr: „Schnell – vor der Bühne steht noch Jobs, vielleicht kannst Du ihn aufnehmen“. Ich haste zur Bühne vor, dort wo der Menschenpulk ist, Blitzlichtgewitter. „Hier können Sie nicht lang!“ ruft mir die Apple-Mitarbeiterin in ihrem blauen T-Shirt hinterher. Ich ignoriere sie. Jobs steht vor der Bühne. Sein schwarzer Rollkragenpullover hängt schlaff an seinem ausgemergelten Körper. Der Gürtel ist um die Hüfte festgezogen. Im letzten Loch. Jobs scheint Nähe zu suchen. Er posiert ein wenig für die Kameras, wieder flackern die Blitzlichter auf. Er geht zurück zum Rednerpult, nimmt einen Schluck aus der Wasserflasche und kommt direkt vor der Bühne. Vielleicht 50 bis hundert Menschen stehen noch dort. Jobs geht in die Menge, lässt sich die Hand schütteln. Immer in seiner Nähe: seine Assistentin. Kommt ihrem Chef einer zunahe, Fan oder Presse, das spielt keine Rolle, gibt es als Verwarnug erst einen gestrengen Blick. Macht man dann noch immer keine Anstalten, den „Sicherheitsabstand“ einzuhalten, faucht sie einen bestimmt an, dass man mit Herrn Jobs nicht reden könne und doch bitte Abstand wahren solle.
Keynote
Jobs läuft durch die Menge, ohne Ziel. Einmal rein, dann wieder raus. Er geht hinter die Absperrung neben der Bühne und sucht seinen Vize Phil Schiller.
Nebenan im Presseraum spielt sich diegleiche Situation ab. Die Presse darf für eine halbe Stunde das iPhone 4 ablichten, in die Hand nehmen, damit herrum spielen. Viele der großen Tech-Journalisten aus dem Valley sind da. Walt Mossberg und Kara Swisher. Die Leute von Techcrunch. „Schnell komm, da steht wieder der Jobs“, sagt Richard, der mich gerade beim Objektiv-Wechsel stört. „Wie, der Jobs ist im Presseraum?“ frage ich. „Ja, schnell komm rüber.“
Ich sehe uns schon, ein Mini-Interview mit Jobs führen. Wie Richard sich vorpirscht und ihm ein oder zwei O-Töne entlockt. Jobs steht an einem der Tisch, auf dem die neuen iPhones ausliegen und unterhält sich mit einem Asiaten, den er gerade zu dem Tisch geführt hat.
Richard und ich boxen uns vor. Streiche boxen. Wir gehen auf die andere Tischseite. Stehen jetzt neben dem ihm. „Komm, frag ihn was“ murmele ich zu Richard. Der will sich Mikrophon anheben und einen Schritt auf Jobs zumachen, da steht plötzlich unser deutscher Pressebetreuer. Der Blickkontakt reicht aus. Kein Interview. Jede Nachfrage erübrigt sich.
Jobs kommt noch zwei oder drei mal zum Bad in der Presse zurück. Keiner der Jounalisten, der Kamerateams macht Anstalten ihn zu interviewen. Ich bin echt baff. Schweiß läuft mir die Schläfen runter. Zum Glück trage ich ein Jackett, mein weißes Hemd ist durchnässt. Stativ, Kamera und Mikrophone schleppen. Schnell wieder auf und zusammenbauen. Hier noch ein Schuss, dann ein Bild aus diesem Blickwinkel („Sorry, aber sie dürfen nur das iPhone aufnehmen, mein Gesicht dürfen sie nicht filmen“, sagt mir die Apple-Mitarbeiterin). Ich bin ko, muss mich mal nach der fast zweistündigen Keynote kurz mal auf den Boden setzen. „Sorry, hier können Sie nicht sitzen, bitte stehen Sie wieder auf“, bedeutet mir die Apple-Mitarbeiterin. Im 2. Stock, Seitengang Moscone West, ist Sitzen nicht erlaubt. Man könnte es sich ja bequem machen. Und die Presse muss zum Zeitpunkt X das Gebäude wieder verlassen haben. Schließlich wollen die 5.000 Apple-Entwickler den Rest der Woche unter sich sein.
Robert Scoble
Robert Scoble, Tech-Blogger, fragt uns zwei Tage später, ob wir uns schon einml die Parkplätze in Cupertino (Apple Hauptsitz) und Mountain View (Google Hauptsitz) angesehen hätten: Bei den Apple-Leuten, so Scoble, überwiegen die Luxusschlitten aus Germany, bei Google sieht man Öko-Autos und jede Menge Fahrräder. Die Unternehmenskultur beider Konzerne seien total verschieden. Bei Apple dürften die Entwicklungsabteilungen untereinander nur nach vorheriger Genehmigung miteinander sprechen, bei Google hingegen stehe Offenheit und Transparenz im Vordergrund.
Apple fasziniert und macht zugleich Angst. Ich kann Richard besser verstehen, der so ziemlich alles über Jobs weiß, was an Informationen öffentlich über ihn zugänglich ist. In Zeiten von Blogs, von Facebook, Twitter und anderer Dienste, erscheinen die Handlungen des amerikanischen Konzerns nur schwer nachvollziehbar. Gleichzeit bekommt Apple durch seinen enormen Erfolge bei iPhone und iPad recht. Befremdlich ist mir der “Personen-Kult” um Apple Boss Jobs. Vorauseilenden Gehorsam mochte ich noch nie. Was wird, wenn Jobs mal nicht mehr das Unternehmen lenkt? Werden seine NachfolgerInnen genauso verbissen und sturköpfig agieren?
Mehr zur WWDC am kommenden Samstag, dem 20. Juni bei 3sat neues um 16 Uhr 30.
Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack, auf das, was Euch erwartet in einem Videoclip von Richard.
Google hat nicht nur die Navigationsfunktion für Deutschland auf Android-Telefonen freigegeben, sondern auch die Spracherkennung eingedeutscht. Keine Bange: Das Spracherkennungs-Paket lässt sich übrigens auch auf dem iPhone installieren.
Kollege Gutjahr und ich haben die Spracherkennung soeben einem ersten Stress-Test ausgesetzt. Watch this:
Apple hat in San Francisco die vierte Generation seines iPhones vorgestellt. Dort begann die alljährliche Entwicklerkonferenz des Konzerns. Steve Jobs hielt traditionsgemäß die Eröffnungsrede.
Unter der Haube des iPhones hat sich einiges getan. Das Gerät unterstützt nun Video-Telefonie. Apple hat der neuen Funktionalität auch gleich einen Namen gegeben: Facetime. Doch Facetime wird zunächst nur über Wlan und nicht über das normale Telefonnetz funktionieren. So richtig neu ist das Thema nicht: Viele Konkurrenz-Modelle beispielsweise von Motorolla, HTC oder Nokia unterstützen schon seit Jahren Videotelefonie.
Flacher, schneller, brillanter
Eines fällt sofort auf: Das neue iPhone ist deutlich flacher geworden, es ist nur 9,3 Milimeter dick. Für den Akku hat man noch mehr Platz geschaffen – das bedeutet, das Gerät soll im Durchschnitt 40 Prozent länger laufen als sein Vorgänger. Die Antenne ist jetzt in das Metall-Chassis des Gehäuses integriert, dadurch kann man bei der Hülle auf die Kunststoffteile verzichten.
iPhone 4
Im Gerät befindet sich der neue, altebekannte A4 Prozessor. Das ist der erste Prozessor, den Apple selbst entwickelt hat und der sein Debüt im iPad hatte.
Besonders ausführlich hat Apple-Chef Jobs in seiner Keynote das neue Display gewürdigt, dessen Technologie man Retina getauft hat. Es unterstützt jetzt auch HD. Apple hat nach eigener Darstellung wohl einiges in die Fortentwicklung des Bildschirms investiert. So hat das Display vier Mal mehr Pixel als das alte iPhone.
Wenn man das neue Gerät in der Hand hält, ist der Unterschied wirklich frappierend: Das Bild ist deutlich brillianter und schärfer. Neu ist auch das Kamerasystem: Im neuen iPhone befinden sich gleich zwei Optiken – Eine vorne und eine auf der Rückseite. Und die macht Bilder mit bis zu 5 Megapixel. Das ist in vielen anderen Telefon schon länger gängiger Standard. Videos lassen sich damit in HD drehen und gleich auf dem Gerät bearbeiten. Passend dazu gibt es für knapp 5 Dollar die passende Schnitt-Software.
Details über die vierte Gerätegeneration waren schon vorher bekannt
Haus Staudt Redwood City
In einem deutschen Biergarten in Redwood City, 40 Kilometer südlich von San Francisco, war vor einigen Wochen ein Prototyp aufgetaucht. Das Technologie-Blog Gizmodo ist über Umwege an das Gerät gekommen, hat es auseinandergeschraubt, im Internet alles Details veröffentlicht und so Apple ein wenig von dem beabsichtigten Show-Effekt geklaut.
Was Apple am Montag auf der WWDC präsentierte, ist alles andere als eine Revolution. Ich würde es mehr eine logische Fortentwicklung eines populären Smart-Phones nennen. Eigentlich, und das könnte schon im Grunde ein Resümee der Rede von Jobs sein: Eigentlich hat man erwartet, dass Jobs eine wirklich Neuheit präsentiert oder auf die Kritik am geschlossenen App-System eingeht, sich über die Firmen-Policy, zu Zukunft von Apple auslässt. Das ist nicht passiert.
Apple Boss Steve Jobs
Ich habe seine Rede in weiten Teilen als ein großes Werbe- und Marketing-Event erlebt. Jobs schien es vor allem ums Geld zu gehen: Immer wieder zeigte er auf der Videowand Charts, die beweisen sollten, wie gut sich mit Apps im Apple-System Geld verdienen lässt. Ein Appel an die Developer bloß an Bord zu bleiben und nicht zum offenen Android-System umzuswitchen.
Stellenweise kam man sich wie mein Motivations-Training vor, wo vorne ein Guru steht und 5000 Menschen machen begeistert mit. Bei Apple geht das so: Ist eine technische Neuerung besonders gut gelungen, geht ein Raunen durchs Publikum gefolgt von Szenen-Applaus. Wenn Jobs sein Publikum nicht begeistern kann, dann fällt der Applaus spärtlicher aus oder die Leute murmeln. Das passiert immer dann, wenn Jobs unter anderem über die amerikanische Telefongesellschaft AT&T spricht, die in den USA das iPhone vertreibt. iPhone Nutzer in den USA beklagen die Qualität des AT & T Netzes.
Man sollte eines noch zum Charakter der Veranstaltung wissen: Apple nutzt die Konferenz auch, um ein die Programmierer aus aller Welt bei Laune zu halten. Rund 5.000 Entwickler sind diese Woche dabei und die verdienen ihr Geld damit, dass sie so genannte Apps fürs iPhone und iPad herstellen und über den App-Store verkaufen. Apple kassiert 30 Prozent, der Rest geht an die Entwickler.
Ein System von Geben und Nehmen.
Deshalb trommelte Jobs vor der Gemeinde und würdigte die neuen Möglichkeiten des Telefons. Jobs macht in seiner Rede klar, dass er auch künftig an dem strengen Kontrollsystem für neue Applikationen festhalten wird. Daran hatte es in den vergangenen Wochen ja immer wieder Kritik gegeben. Das Unternehmen behält sich auch weiterhin das letzte Wort vor.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – Bis ins Detail fein orchestriert.
Jobs Backstage
An den Veranstaltungen, den Vorträgen, die es die ganze Woche über bei der WWDC gibt, sind Journalisten offenbar nicht erwünscht. Es gibt jedenfalls keine Akkreditierungen. In der Eingangshalle weißt ein Schild die Besucher darauf hin, dass Inhalte aus Vorträgen geheim gehalten werden müssen. Sinnbildlich auch für die Reglementierung: Nach der Rede von Jobs wurden wir Journalisten aus dem Saal geführt und dürften in einem Seitengang für eine Stunde das neue iPhone in die Hand nehmen und testen. Wollte man sich hinsetzen, um auf dem Laptop ein Foto zu verschicken oder Videomaterial zu überspielen, wurde man höflich aufgefordert, doch aufzustehen.
Apple Boss Steve Jobs kam dann dort vorbei. Und was mich wirklich erstaunt hat: Kein Journalist hat sich getraut, Jobs ein Mikro unter die Nase zu halten. Das ist eigentlich ein Verhalten, was unter Journalisten unüblich ist. Wenn die Kanzlerin an Presseleuten vorbeiläuft, werden ihr sofort Mikrofone hin gehalten. Bei Jobs hielten sich alle zurück. Ich kann mir das nur so erklären, dass viele Journalisten Angst davor haben, in Ungnade bei Apple zu fallen und sich selbst Zurückhaltumg auferlegen. (Ich selbst habe es mir auch nicht getraut….)
RT @mdrreiter Kultur ist, was ein Metzger hätte, wenn er Chirurg wäre. 22.05 Uhr artour Kulturmagazin im MDR-Fernsehen. http://bit.ly/czt5ei7 Stunden her
SPON schreibt: "Mehr Arbeitslose im Juli" - BILD.de schreibt: "Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter". 9 Stunden her
Für alle anderen, die die neue Suchmaschine testen wollen: einfach @blekko folgen, Invites kommen in den nächsten Tagen. 9 Stunden her
@siktwin Sabine, die Einladung zum Beta Test von blekko.com gehört Dir! --> Email. #blekko9 Stunden her
Habe noch eine "Invite" für Beta von @blekko - neue Suchmaschine aus dem Valley, die Google Konkurrenz machen will --> blekko.com Interesse? 9 Stunden her